Warhammer Martyr (Action RPG) - Erfahrungen nach 18 Stunden Spielzeit

warhammer-martyr

Vorweg gesagt: Ich habe Warhammer Martyr als Vollpreis Spiel gekauft und nicht versucht, als Presse in das Action-RPG einzusteigen. Inzwischen sind 18 Stunden im Spiel vergangen. Den Multiplayer-Modus habe ich noch nicht getestet, sondern lediglich ein Teil der Story, sowie Nebenmissionen erlebt.

Die drei Klassen

Warhammer Martyr lässt uns die Wahl, ob wir als Conqueror, Assassine oder Psyker loslegen.


Der Conqueror ist am besten gepanzert und benutzt physische Attacken im Nahkampf (Schwert, Schild, Axt, Hammer etc.).

Ein großes Arsenal an Schusswaffen gibt es allerdings auch (Granatwerfer, Laserwaffen, Maschinenpistolen etc.).


Die Assassine (weiblich) ist mit Scharfschützengewehren unterwegs, kann aber auch im Nahkampf eingesetzt werden.

Der Psyker ist, oberflächlich gesagt, der "Magier" unter den drei Klassen.


Die Klassen haben einen Gender-Lock. Es gibt also keine Auswahl für männlich oder weiblich pro Klasse. Der Conqueror ist tendenziell der langsamste Kämpfer.

Im mittleren Bereich tummelt sich der Psyker. Am schnellsten geht es mit der Assassine zur Sache.

Die Grafik

Optisch kann Warhammer Martyr schon überzeugen. Wer genug von den Mainstream Grafiken anderer Spiele hat, findet hier etwas deutlich robusteres mit mehr Düsternis.

Das ist durchaus eine willkommene Abwechslung zum oft farbigen, kunterbunten Unity-Engine-Einheitsbrei, der Gamern heute oft aufgetischt wird.


Explosion-Effekte sind nett anzuschauen. Der absolute Oberhammer ist es aber auch nicht. Andererseits geht es blutig zu. Feinde werden gerne mal zerstückelt oder zerfetzt.

Auch hier ist endlich mal wieder ein Flair zu finden, der mehr an Diablo 2 erinnert, auch wenn Warhammer Martyr in einem (gänzlichen anderen) Sci-Fi Setting spielt.

Die Kämpfe

Hier spalten sich die Meinungen und Wege. Der Kampf in Warhammer Martyr ist ein Kern-Element des Spiels. Wer ein klassisches Hack and Slay erwartet, wird enttäuscht sein.

Es geht im großen und ganzen etwas langsamer zu. Das ist gewollt, den Martyr will taktischer sein. Wirklich viel mit Taktik zu tun hat es meiner Meinung nach aber auch nicht.


Man muss sich daran gewöhnen, dass das Action RPG nicht so flüssig flutscht, wie ein Diablo 3. Man kann auch Deckung hinter allen möglichen Gegenständen suchen (bspw. Pfeiler).

Die sind vom Feind allerdings auch sehr schnell zerstört. Dieses Deckung-System habe ich nicht als wirklich sinnvoll/hilfreich empfunden.


Ebenfalls schade finde ich die Steuerung. Teilweise klickt man schon arg herum, bis der Feind endlich korrekt anvisiert und attackiert wird. Für meinen Geschmack ist das unfertig.

Hier hätte ich mir mehr Feintuning gewünscht. Schließlich lebt dieses Spiel von Kämpfen, die Spaß machen und quasi "süchtig machen" sollen.

Die Story

Ein großes Lob muss ich in diesem Bereich definitiv aussprechen. Die Geschichte fand ich bisher sehr gut umgesetzt. Der Abwechslungsreichtum bei den Missionen lässt allerdings zu wünschen übrig.

Was ich besonders toll fand: Der eigene Charakter (bei mir der Conqueror) hat wirklich einen eigenen Charakter. Er hat eigene Meinungen, Denkweisen und Vorgehensweisen.


Diese macht er den NPC-Kollegen auch klar und deutlich. Teilweise disst er seine Unterstützer sogar oder sagt ihnen, wo es lang geht, Endlich ist man mal nicht der dumme Held, dem man alles erklären muss.

Durch Warhammer Martyr ist mir erst aufgefallen, wie häufig wir in anderen Spielen in die Rolle eines dummen Helden schlüpfen.


Warhammer Martyr macht es so anders und so gut, dass mir viele andere RPGs/Online-Games rückblickend nicht mehr so gut gefallen. In diesem Action RPG bekommt man vom RPG noch etwas mit. Ein Held kann schließlich mehr, als nur unwissend durch die Gegend zu laufen und sich von NPCs die Welt erklären zu lassen. Ein Held hat eigene Erfahrungen und trifft eigene Entscheidungen.


Ein Held in Martyr tut das auch! Super! Andererseits sind die schriftlichen Übersetzungen ins Deutsche ein Graus! Wer hier Qualität erwartet, wird sie nicht finden. Vertont ist alles - allerdings nur auf Englisch!

Was mir aufgefallen ist

Die Charakterentwicklung ist schon cool gemacht. Viele Skillbäume, die man durch gewisse Achievements teilweise erst freischalten muss. Viele Möglichkeiten, einen eigenen Spielstil zu kreieren gibt es definitiv. Das Crafting ist interessant und auch recht umfangreich, wie mir scheint. Loot und EP gibt es übrigens immer erst am Ende einer Mission.


Langweilig ist es mir inzwischen hinsichtlich der Missionen geworden. Man tötet sich halt durch. Klar es gibt verschiedene Ziele, aber es wird schnell monoton. Cool ist, dass man manchmal ein Schlachtfeld mit Bot-Soldaten erobert oder mit Verteidigungsanlagen eine Stellung gegen Monsterhorden verteidigen muss. Das macht echt Spaß und ist eine tolle Abwechslung.


Viel zu häufig ist leider das schlichte Töten durch die Map. Klar, ich habe zwei Waffensets, die ich vor einer Mission wählen kann. Der Wechsel zwischen diesen hat aber auch ein Cooldown auf die Skills. So ist ein flüssiger Wechsel nicht möglich. Man tendiert eher dazu, immer nur mit einer Waffe zu kämpfen, anstatt schnell zu switchen. Das ist relativ sinnfrei.


Dass die Skills von den Waffen abhängen (abgesehen von der Psyker-Klasse) ist so lala. Man hat allgemein nicht viele Skills. Das verstärkt die Monotonie in Martyr leider noch mehr.

Nach 18 Stunden im Spiel

Ich persönlich würde Warhammer Martyr nicht noch mal kaufen. Für rund 10 Euro kann man sich das anschauen, aber 40€ ist es momentan nicht wert.


Meine Empfehlung für das Spiel wäre:

  1. Kämpfe flüssiger gestalten und mehr Feintuning bei der Steuerung
  2. Das Deckung-System sinnvoll machen - eine Deckung sollte nicht nach 2-3 Sekunden kaputt geschossen werden können.
  3. Den Wechsel zwischen den zwei Waffensets flüssig ohne Cooldown auf die Skills gestalten - so nervt das, wie ich finde.
  4. Mehr Schlachtfeld- und Verteidigung-Missionen einbauen, um mehr Abwechslung zu erreichen
  5. Vertonung und Übersetzung in deutscher Sprache umsetzen (die Story an sich ist gut!)
  6. Mehr Klassen hinzufügen (soll ja auch passieren)
  7. Mehr in Richtung einer Open-World gehen - momentan ist das stark instanziert und das macht die Monotonie nur schlimmer
  8. Weniger Abhängigkeit von der Ausrüstung herstellen. Wer einen zu schlechten Rüstungswert hat, kann auch mit Skill recht wenig entgegensetzen

Meine Empfehlung an euch Spieler ist: Wartet ab, bis das Spiel einige Monate hinter sich hat. Patches und Updates könnten hier noch einiges zum Guten wenden.

Wenn der Preis zwischen 10 und 20 Euro liegt, würde ich zuschlagen. Ein Diablo im Weltraum ist es allerdings nicht und wird es vermutlich auch nie werden.


Erwartet also ein Spiel, das etwas mehr mit Kiten und Abwarten und sich gedulden funktioniert.

    Teilen

    Werbung