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MMORPGs: Neue Generation des Pay 2 Win!

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Man dachte in den vergangenen Jahren vermehrt, dass die AAA-Studios größtenteils auf Abstand gehen und Independent-Studios dadurch die Gelegenheit hätten, neue Ansätze und vielleicht sogar revolutionäre Ideen in das Genre zu bringen.


Andererseits hoffte man aber auch, dass vielleicht die Triple A Studios selbst mit genialen neuen Marken, Spiele-Titeln und Ideen zu den MMORPGs zurückkehren.


Viele von uns dachten, oder hofften, falsch:

Man erinnere sich an Bless Online mit seinem katastrophalen Release und einem rekordverdächtig schnellen Abgang. Jedoch auch im Independent-Segment gab es zum Beispiel Legends of Aria, das binnen kürzester Zeit von Buy to Play auf Free to Play wechselte. Schnell machte es die Runde, dass so mancher Hoffnungsschimmer ein Irrlicht war.


Wer jetzt mehr in Richtung MMOs schielt, erblickt direkt Fallout 76. Die Entwickler haben den Fallout-Fans und sich selbst überhaupt keinen Gefallen damit getan: Ein kaputtes, verbuggtes und überteuertes MMO hinter welchem eine Dreistigkeit steht, die neue Maßstäbe setzt.


Nun geht es gar nicht darum, die Spiele-Katastrophen von 2019 aufzuzählen. Eigentlich sollten wir auf die großen Schritte schauen, die das Genre gemacht hat. Moment: Welche großen Schritte? Hat sich zum Beispiel bei WoW, Guild Wars 2, Black Desert, SWtoR oder ESO eine gewaltige Evolution ergeben? Man blieb doch vielmehr beim Altbewährten: Neue Klassen, neuer Content und neue Regionen.


Schlimm? Nein, gar nicht! Wir haben es doch mittlerweile alle begriffen:


Eine nächste Generation von MMORPGs liegt weit entfernt hinter einem nebligen Schleier der Ungewissheit. Ein Schleier, der ab und zu vom Winde verweht wird und etwas Offenbart, das eigentlich Kerninhalt dieses Artikels ist.


Geld für einen feuchten Traum

Womit wir es dieser Zeit zu tun haben, bezeichne ich als vorgezogene Lebensspannenverlängerung oder auch „accelerated lifespan extension“. Angesichts dessen müssten wir eigentlich jedem bereits erwähnten MMORPG dankbar huldigen, das sich altbewährt und zuverlässig mit Updates auf dem Markt gehalten hat.


Schließlich ist die vermeintlich neue Generation der MMORPGs etwas ganz anderes. Sie ist ein unrealistischer Traum von Spieleentwicklern, der nie in Erfüllung geht. Das Problem ist, dass diese Träume mit Concept Arts, Demo Versionen und Videos vermarktet und verkauft werden.


Man zieht also die Lebensspanne eines MMORPGs nach ganz vorne und fängt ab Tag 1 der Entwicklung mit dem Abkassieren an.

Wie das unter anderem funktioniert, folgt gleich.



Ihr kennt sie mit Sicherheit:

Es sind die schwarzen Schafe des Crowdfundings. Die ewigen Verkäufer der Founder Packs. Die jahrelangen Release-Termin-Ankündiger und Verschieber. Die Fackelträger der Hoffnung, die YouTube mit langweiligen Q&As bombardieren und dabei vor allem eines im Sinn haben:


Hoffnungsvolle MMORPG-Fans zu fangen, die den Traum mit träumen möchten und zudem etwa 30€ oder, für ganz Behämmerte, sogar 10.000€ übrig haben. Eigentlich müssen gar keine Namen genannt werden, weil sie durch jahrelanges Staubaufwirbeln den meisten von euch bekannt sind.


Es ist keine Feststellung, die ich hier aufschreibe, sondern eine Vermutung. Diese gilt unter anderem folgenden MMORPGs:

Crowfall, Camelot Unchained, Ashes of Creation, Chronicles of Elyria, Star Citizen, Dual Universe, Gloria Victis und Pantheon: Rise of the Fallen.



Psychologische Vermarktung

Ja, die Liste ist recht lang und es kann sein, dass aufgezählte Spiele zu Unrecht in meinem Visier sind. Worauf ich mit ein paar rhetorischen Fragen allerdings aufmerksam machen möchte:



1. Wie hyped man die Gaming-Community mehr und bringt sie eher zum Kauf eines Founder Packs: Mit einem realistischen Release-Datum, das 5 Jahre entfernt liegt oder mit 5 unrealistischen Release-Daten binnen dieser 5 Jahre?


Worauf ich hinaus will: Diese MMORPGs neigen dazu, von Jahr zu Jahr Hoffnung zu schüren. Es entsteht der Eindruck, dass ein Release nicht mehr fern ist. Dieser Eindruck bringt Fans viel eher zum Kauf. Ich befürchte, dass die Nennung von Release Daten heutzutage eine Maßnahme zur Verkaufsförderung ist.

In diesem Fall sogar schlimmer: Das Release Datum ist bewusst unrealistisch und somit eine Täuschung.



2. Wie bringt man mehr Spieler dazu, ihr Geld zu investieren: Mit großen Versprechungen, die später alle mit Entschuldigungen und Wiedergutmachungen vom Tisch gewischt werden oder mit der Nennung realistischer Features, die aktuell wirklich absehbar sind?


Wie oft kam es schließlich in den letzten Jahren vor, dass Features doch nicht kamen? Wie oft las man Floskeln, die revolutionär klangen aber praktisch betrachtet Einheitsbrei waren? Diese Strategie fährt die Spielebranche schon länger. Seit 2019 trägt die Krone in dieser Disziplin wohl Anthem von Bioware. Die Independent-Studios sind allerdings auch auf diesen Zug aufgesprungen.



3. Was ist die bessere Entschuldigung: Wir hatten keine Zeit mehr, wir haben uns während der Entwicklung verirrt oder wir sind ja sowieso noch in einer Alpha, einer Beta oder einem Early-Access?


Hier könnte man wahrscheinlich mindestens 50% aller Spiele aufzählen, die vor dem Release Geld vom Spieler entlocken und dafür eine Testversion liefern. Wie lange manche der oben genannten MMORPGs schon Alpha oder Beta sind ist schon nahezu absurd.


Wir sprechen hier häufig schon von 5-7 Jahren! Dabei sollte man bedenken, dass ein Konzept und die Grundidee davor schon längst existierten. Wenn man das Beispiel auf Straßenkünstler übertragen würde, wäre es in etwa so:


„Hallo Leute! Ich spiele euch gleich etwas auf der Gitarre vor und Breakdance kann ich auch! Das wird toll! Es wird groovy! Hier seht ihr die Gitarre und ja, ich bin auch schon hier, wie ihr seht! Jetzt lasse ich schon mal den Hut herum gehen: Werft doch bitte ein paar Euros rein, ja? Danke für eure Unterstützung!“


Der Straßenkünstler steht noch heute dort und erzählt von seinem Vorhaben. Er zeigt noch immer auf seine Gitarre und manche vermuteten fälschlicherweise, dass sein Stolpern vielleicht doch ein Breakdance Move war…



Die Moral von der Geschicht

Ich hoffe, dass ich falsch liege. Allerdings bin ich mir (leider) recht sicher, dass dem nicht so ist. Schließlich beobachte ich all das schon seit 2012 und ihr vermutlich auch. Es ist traurig und vor allem ist es schlimmer, als jedes Pay to Win! Schließlich zahlt ihr dort für etwas (wenn auch forciert), weil ihr die Geilsten im Spiel sein wollt. Wer will schon der Geilste in einem Schrott-Spiel sein? Irgendetwas müssen diese MMORPGs also an sich haben.


In jedem Fall haben diese P2W-MMORPGs mehr an sich, als eine 5 Jahre alte Alpha-Version, leere Versprechungen, 10 Release-Verschiebungen, lediglich kosmetische Fortschritte und einem riesigen Berg an Entschuldigungen, die man sich im 83sten Langweiler-Q&A anhören muss.


Heutzutage sollte man vor dem Kauf ganz genau hinschauen.

Genauer, als jemals zuvor!

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